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Vielleicht war es ein "heilsamer Schock", der zur rechten Zeit neue Impulse und Ideen freigesetzt hat. Das drohende Aus bei den Olympischen Spielen sorgte dafür, dass im Ringkampfsport viele Hebel in Bewegung gesetzt worden sind. Zwar ist das Ringen wieder als fester Bestandteil in die olympische Familie aufgenommen und damit der "Super-GAU" für eine der weltweit traditionsreichsten Sportarten abgewendet worden.
Doch es gibt weiterhin viel zu tun, um den Ringersport für die Öffentlichkeit wieder interessanter zu machen. Dieses Ziel verfolgt Michael Schmitt vom RSC Laudenbach. Und er setzt mit seinen Veränderungen an der Basis an. "Wir müssen etwas bewegen, um das Ringen wieder voranzubringen", sagt der 52-jährige gebürtige Sulzbacher. Das drohende Olympia-Aus habe ihn zum Nachdenken gebracht. "Ohne die Olympia-Geschichte wäre ich wohl schon Privatier", schmunzelt Ringer-Enthusiast Schmitt, der sich nach Jahrzehnten als aktiver Sportler, Trainer, Jugendtrainer und Vereinsvorsitzender eigentlich weitgehend vom Ringen verabschieden wollte. Jetzt ist er wieder mittendrin. Als Gründer der Initiative Breitensport-Ringen hat Michael Schmitt einen neuen Weg eingeschlagen, um seinen geliebten Sport wieder populärer zu machen. Bislang war das Ringen ausschließlich den Leistungssportlern vorbehalten, Freizeit- oder Hobbygruppen wie in anderen Sportarten gab es nicht. Nach dem Karriereende kehrten viele Ringer ihrem Sport den Rücken, mangels fehlender Perspektiven, ist sich Schmitt sicher. Und da will er jetzt mit der Breitensport-Initiative eine Lücke schließen. "Es geht nicht darum, den Leistungssport zu vernachlässigen. Aber mit Breitensportgruppen können wir parallel eine Alternative anbieten, sei es für Kinder, die nicht so darauf erpicht sind, bei Turnieren zu starten, oder für Erwachsene, die sich mit einfachen Übungen fit halten möchten. So stellen wir das Ringen insgesamt auf eine breitere Basis", sagt Schmitt. Auch der Deutsche Ringer-Bund (DRB) habe sich diesem Ansatz inzwischen geöffnet, freut sich Schmitt. Seine Initiative ist als offizielle Arbeitsgruppe vom DRB aufgenommen worden. Der Verband selbst hat bereits den Erwerb eines so genannten "Ringkampfabzeichens" auf den Weg gebracht. Ähnlich wie in anderen Sportarten kann jeder dieses Abzeichen erwerben, der einen bestimmten Test mit Griffen und Partnerübungen absolviert. Einen wichtigen Aspekt für die Breitensportgruppen sieht Schmitt in der Einführung des Trainingsprogramms "Elementarringen". Der frühere Pädagoge und Trainer Ulrich Trosowski hat diese einfachen Kampfübungen wie etwa das Befreien aus einer Umklammerung entwickelt. Erst vor Kurzem besuchten die Übungsleiter des RSC Laudenbach Uli Trosowski im Schwarzwald, um sich bei ihm zum Thema "Elementarringen" fortzubilden. "Diese Aufgaben sind für alle Altersgruppen geeignet und ich brauche dafür auch keine große Ringerausbildung", nennt Schmitt die Vorzüge. Er selbst steht interessierten Vereinen auch als Ansprechpartner ehrenamtlich zur Verfügung. In Nordbaden sei er schon mit mehreren Vereinen im Gespräch, vom KSV Hemsbach habe sich beispielsweise Ismail Güner der Initiative angeschlossen. "Wir wollen die Vereine aber nicht nur informieren und beraten, wir hören auch einfach mal nur zu, wenn die Vereine ihr Leid klagen wollen. Allein darüber sind viele schon froh", sagt Schmitt. Ziele seiner Initiative seien ferner, in jedem Landesverband einen Breitensportreferenten zu installieren und auf regionaler Ebene "Runde Tische" einzurichten. Letztlich gehe es auch darum, bei vielen Vereinen die Jugendarbeit wieder zu aktivieren. Nur so könne der Ringkampfsport wieder nachhaltig auf die Beine kommen. Auch hier bieten der RSC Laudenbach und Michael Schmitt vielen ein gutes Beispiel, etwa durch die bestehenden Kooperationen mit mehreren Kindergärten und Grundschulen in Laudenbach und Weinheim. In insgesamt neun Institutionen ist Schmitt bereits mit Trainingsgruppen und Workshops aktiv, neben Kitas und Schulen auch in Betrieben. "Es geht darum, ein Umfeld aufzubauen, in dem die tollen Eigenschaften des Ringens erkannt werden. Es gibt zum Beispiel keinen Sport, der für Gewaltprävention besser geeignet ist." bk
 
Artikel aus den Weinheimer Nachrichten vom: 07.04.2014 Mehr anzeigen