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"Das ist ein kleiner Schritt für den RSC, aber ein großer Schritt für das Ringen", sagte RSC-Chef Jürgen Zang am Freitagabend im voll besetzten Nebenzimmer der Gaststätte "Zum Bahnhof" und atmete erleichtert auf. Die Mitglieder des Ring- und Stemmclubs (RSC) hatten soeben bei ihrer außerordentlichen Mitgliederversammlung für eine Kampfgemeinschaft (KG) mit den Mannschaften des Kraftsportvereins (KSV) Sulzbach votiert. Die Gründe für diesen Befreiungsschlag der Ringer beträfen nahezu jeden Verein, seien allgegenwärtig und dem Wandel der Gesellschaft geschuldet, sagte Zang. Es werde immer schwerer, Nachwuchs zu gewinnen. Dieser Erkenntnis und der Entwicklung des "Chillens und Joggens" wolle der RSC entgegenwirken, um den Ringsport so lange wie möglich zu erhalten.
Die einstimmig bei nur vier Enthaltungen getroffene Entscheidung der Laudenbacher Ringer ist Ausdruck des festen, ja geradezu verzweifelten Willens, dem traditionsreichen Sport in beiden Vereinen wieder zu festem Boden zu verhelfen. Davon, so sind die RSC-Mitglieder letztlich überzeugt, könnten beide Vereine, vor allem aber der personell und damit sportlich schwer angeschlagene KSV Sulzbach profitieren. Zwar steht dessen Entscheidung noch aus, doch Zang zeigte sich zuversichtlich: "Es wäre schade, wenn der KSV Sulzbach aufgelöst werden müsste, weil wir uns abgewendet haben", sagte er.

Deshalb seien vor allem Jugendtrainer Michael Schmitt mit seinem persönlichen Draht zum KSV die intensiven Gespräche zu verdanken, die inzwischen mit den KSV-Sprechern Bernd Seiler und Karlfred Beutel geführt wurden. Dabei sei klar geworden, wie es um den KSV steht und "wir haben nachgedacht, wie man den Verein am Leben erhalten kann".

Ganz uneigennützig war dieser Gedanke nicht. Denn auch wenn der RSC Laudenbach noch keine Not leide, werde die Kampfgemeinschaft mit dem KSV mit der Option späterer Zusammenschlüsse bei der Jugend auch die Laudenbacher Nachwuchssorgen lindern, zeigte sich Zang optimistisch. Grundsätzliche Ängste, es sei eine Fusion der beiden Vereine vorgesehen, räumte der Vorsitzende aus. Es gehe ausschließlich darum, den Aktiven ein Forum zu bieten, das einen Neuanfang gewährleiste.

Maßgabe sei bei alledem, dass beide Vereine selbstständig blieben. Zusammengeführt würden lediglich die jeweiligen Kadermannschaften, die künftig als "Kampfgemeinschaft Laudenbach/Sulzbach" firmieren und zu je 50 Prozent auch die gemeinsamen finanziellen Ausgaben tragen sollen. Dabei gehe es nur um die Finanzierung der Sportler und der Ringkämpfe, nicht um das jeweilige Vereinsvermögen, beruhigte Zang. "Kommt die KG nicht zustande, wird es in Sulzbach künftig keine Mannschaft mehr geben", orakelte er mit besorgtem Blick auf die Zukunft des Ringsports.

In sehr ausführlicher Aussprache und ohne grundsätzliche Zweifel am Projekt erörterten die RSC-Mitglieder, unter denen sich viele Aktive fanden, die Situation. Dabei wurde der feste Wille deutlich, den KSV Sulzbach zu stützen und dabei in einer Zusammenführung der Kräfte neue gemeinsame Wege zu ergründen. Das betrifft die gegenseitige Unterstützung im Sport einschließlich der Trainer, aber auch den Beistand im geselligen Bereich. "Denn", so Zang, "bei Licht besehen ist auch in Laudenbach die Personaldecke recht dünn, nicht nur im Sport, sondern auch drum herum".

Vizechef Ralph Schmitt, der die Auswirkung einer Kampfgemeinschaft gemeinsam mit den KSV-Verantwortlichen längst durchgespielt hatte, entkräftete die bange Nachfrage, ob Laudenbacher Ringer zugunsten der KSV-Aktiven zurückstehen müssten. Er kündigte die Auflösung der bisher mit Bensheim bestehenden Jugend-"KG Bergstraße" für den Fall an, dass eine Kampfgemeinschaft mit Sulzbach künftig auch im Jugendbereich gebildet werde.

Das grüne Licht, das die beiden RSC-Urgesteine Karl Beck und Kurt Eitel dem Vorhaben mit eindringlichen Worten signalisierten, ebnete endgültig den Weg. Angesichts eines "Personallochs von fünf Jahren", das aus Mangel an Nachwuchs entstanden sei, biete die Kampfgemeinschaft mit Sulzbach beiden Vereinen eine große Chance zum Neuanfang: "Wir sollten es versuchen, denn unsere Erfolge sind Geschichte, wir müssen nach vorn blicken". Das klare Votum des RSC sei ein Erfolg für den Ringsport, zog Jürgen Zang vorläufig Bilanz, denn: "Jetzt ist Sulzbach am Zug". he

Artikel aus den wnoz vom: 01.12.2014