Drucken

Lausanne (dpa) - Die IOC-Exekutive hat beschlossen, dass Ringen aus dem Programm der Olympischen Spiele 2020 gestrichen werden soll. Die traditionsreiche Sportart, die bereits seit 1896 Teil der Sommerspiele ist, würde damit bei Olympia 2016 in Rio de Janeiro ihre Abschiedsvorstellung geben.

Die Entscheidung der Exekutive-Kommission am Dienstag in Lausanne muss von der IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires noch bestätigt werden. Dieser Schritt gilt aber als reine Formalie. Vor der Sitzung war der Moderne Fünfkampf als Streichkandidat Nummer eins gehandelt worden.

Bei der deutschen Ringerfamilie herrscht über den Streichungsplan des IOC totales Entsetzen. „Ich kann mir das gar nicht vorstellen, es war nie die Rede über die Streichung der Ringer aus dem olympischen Programm, im Gegenteil, ab 2016 sollten die Frauen möglicherweise in allen 7 Gewichtsklassen starten dürfen (bisher nur vier Kategorien)", so der Präsident des Deutschen Ringer- Bundes, Manfred Werner. Schon bei den Olympischen Spielen der Antike war Ringen eine der angesehensten Sportarten, bei Unentschieden in Lauf-, oder Wurfdisziplinen wurde der Sieg ausgerungen. Seit Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 steht Ringen im Olympischen Wettkampfkalender. Bei den ersten Olympischen Spielen 1896 gewann der Berliner Carl Schumann die erste olympische Goldmedaille. Erneut war es in Athen, als 2004 erstmals Frauen olympische Matten betraten. In vier von sieben Gewichtsklassen gab es erstmals weibliche Olympiasieger im Ringkampf. Nun will man beim IOC ohne diese traditionsreiche Sportart auskommen, verstehen kann das in Ringer-Deutschland niemand. "Den DRB trifft die Entscheidung aus heiterem Himmel, wir müssen jetzt die Reaktion des Weltverbandes FILA abwarten", so Manfred Werner weiter. 

Der Ringkampfsport muss sich im Mai noch einmal bewerben, bei der Exekutive des IOC in St. Petersburg wird es dann Präsentationen verschiedener Sportarten geben, eine endgültige Entscheidung wird dann im September, bei der IOC-Vollversammlung in Buenos Aires getroffen. Der Weltverband FILA ist nicht unbedeutend, 47 europäische Verbände gehören der FILA an, 37 aus Asien, 32 vom amerikanischen Kontinent, 46 Ringer- Verbände aus Afrika und 15 aus Australien/Ozeanien. „Für mich ist das ein absoluter Schock, mit dieser Entscheidung stirbt ein Stück olympischer Gedanke", so der erst im Januar diesen Jahres neu berufene DRB-Sportdirektor Jannis Zamanduridis, der damit wohl für seinen kompletten Trainerstab sprechen dürfte. Nun heißt es abwarten, wie sich die FILA dazu äußert, ab dem 17.2. werden in Teheran (IRI) die Mannschaftsweltcup's der Männer in beiden Stilarten ausgetragen, da wird es wohl auch im Präsidium der FILA heiß hergehen. Die Hoffnungen der Ringer hängen damit an der IOC-Exekutive in St. Petersburg (RUS) im Mai, wo sich Ringen gemeinsam mit sieben anderen Sportarten präsentieren muss, wovon dann auch der Verbleib im Olympischen Programm abhängen wird. Die IOC-Vollversammlung im September in Buenos Aires fällt dann eine endgültige Entscheidung, ob Ringen olympisch bleibt.